Die Digitalisierung der Trainingswelt wird von vielen TrainerInnen mit Skepsis betrachtet. Die vorherrschende Meinung ist oft, dass digitale Trainingsformate bzw. der Mix aus online und offline Elementen (Blended Learning) für die eigenen Seminare nicht geeignet ist.

Oft höre ich Sätze wie „Jaja, Blended Learning mag ein gutes Konzept für das eine oder andere Training sein, aber für meine Seminare und für meine Themen eignet sich das nicht.“. Erkennst du dich wieder? Dann sind die folgenden Zeilen genau für dich, denn in diesem Artikel gehe ich auf 4 Einwände ein, die (vermeintlich) gegen den Einsatz von Blended Learning sprechen.

 

#1: Blended Learning ist nur etwas für EDV-Profis

„Digitale Lernformate bereitzustellen, ist schwierig. Das können nur EDV-Profis oder junge Leute, die mit der Technik aufgewachsen sind!“

Du hast Recht: Ganz ohne EDV-Kenntnisse ist es nicht möglich, ein Blended Learning Konzept umzusetzen. Aber: Der Berg ist nicht so unbezwingbar, wie das für dich vielleicht im Moment aussieht! Schließlich bist du gerade online und liest diesen Beitrag. Das bedeutet, dass du zumindest grundlegende Kenntnisse hast, dich in der Online-Welt zu bewegen. Ich bin 100% sicher: Du kannst die vermeintliche Technik-Hürde meistern!

Es gibt zahlreiche Formate, die wirklich einfach umzusetzen sind. Wie wäre es z.B., wenn du deinen TeilnehmerInnen vor dem ersten Präsenztag ein E-Mail mit grundlegenden Informationen zur Einstimmung schicken würdest? Das klingt gar nicht so kompliziert, oder? Ist es auch nicht! Du kannst das große Thema Blended Learning in kleinen Schritten erforschen und langsam hineinwachsen!

HIER findest du einige weitere Beispiele, welche Formate du unkompliziert einsetzen kannst.


#2: Blended Learning eignet sich nicht für Tages-Seminare

„Ein Konzept, das aus einem Mix aus online und offline Lernangeboten besteht, ist nur für längerdauernde Trainings sinnvoll.“

Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, dass Blended Learning ausschließlich für längere Trainings eingesetzt werden kann. Doch wenn wir das Konzept näher betrachten, erkennen wir, dass der Einsatz digitaler Lernformate auch in Tages-Seminaren nutzbringend sein kann!

Wie wäre es, wenn du am Beginn deines Seminars nicht 1-2 Stunden damit verbringen müsstest, grundlegendes Fakten-Wissen zu vermitteln? Möglich ist das durch eine Selbstlernphase vor dem Seminar! Lasse deinen TeilnehmerInnen die Grundlagen bereits vorab zukommen, damit die Gruppe mit demselben Wissensstand ins Training kommt.

Der Einsatz eines Online-Quizzes sorgt für willkommene Abwechslung und Auflockerung während des Präsenztages. Und du kannst mit digitalen Lernformaten sogar den Transfer des Gelernten in den Alltag verbessern, indem du z.B. nach dem Seminar kurze Lern- oder Umsetzungsimpulse zur Verfügung stellst.

HIER findest du einige Anregungen, wie du das Internet für deine Tages-Seminare nutzen kannst.


#3: Blended Learning kann nur für theoretische Inhalte genutzt werden

„In meinen Trainings liegt der Fokus auf praktischen Übungen. Dafür kann ich digitale Lernformate nicht einsetzen.“

Das ist tatsächlich ein Einwand, den ich recht oft höre. Aber auch bei sehr praxisbezogenen Trainings gibt es bestimmt dennoch etwas Theorie, die deine TeilnehmerInnen verstehen müssen. Lagere die Vermittlung der Fakten in eine Online-Lerneinheit aus und gewinne so noch mehr Zeit für die praktische Anwendung!

Überlege auch, ob die Fertigkeiten, die du vermittelst, wirklich ausschließlich offline eingesetzt werden. Bei einem Kommunikationstraining kann es sinnvoll sein, auch die Online-Kommunikation zu berücksichtigen, indem man z.B. auf das Verhalten in einer Video-Konferenz eingeht und das auch praktisch übt. Eine Begleitung nach dem Training, um das Eingeübte dann auch tatsächlich in den Alltag zu übernehmen, wird den Erfolg deines Seminars ebenfalls verbessern.


#4: Meine Zielgruppe ist nicht Technik-affin

„Die Zielgruppe meines Trainings hat keine IT-Kompetenzen bzw. wird vom EDV-Einsatz eher abgeschreckt.“

Wenn deine TeilnehmerInnen tatsächlich keinerlei EDV-Kenntnisse haben und auch kein Smartphone nutzen, wird sich der Einsatz digitaler Lernformate tatsächlich auf das Abspielen eines Videos o.ä. im Präsenztraining beschränken – falls das sinnvoll ist.

In allen anderen Fällen – also wenn grundlegende Kenntnisse vorhanden sind, können niederschwellige digitale Formate für Auflockerung und Abwechslung sorgen. Oft ist hier die Nutzung des Smartphones umsetzbar – z.B. über Messenger-Nachrichten. Als Alternative zu What’s App gibt es z.B. Threema – ein Messenger mit Fokus auf Sicherheit und Privatsphäre.

Ist genügend Know How vorhanden, um eine Internetseite aufzurufen, kannst du auch einen passwortgeschützten Bereich auf deiner Website anbieten, auf dem du z.B. Texte und Videos zur Verfügung stellst.

 

Du siehst: Blended Learning, also der Mix aus herkömmlichen Präsenztrainings und digitalen Lernangeboten, kann in fast jedem Training zur Verbesserung der Lernwirksamkeit eingesetzt werden. Zusätzlich bietet es mehr Flexibilität, denn durch ortsunabhängige Formate kann der Trainings- bzw. Lernort frei gewählt werden. Das wiederum spart wertvolle Zeit, weil für alle Beteiligten die Anreise zum Seminar-Ort wegfällt.

Wie ist das bei dir? Arbeitest du bereits mit digitalen Lernformaten? Falls nicht: Was sind deine Bedenken oder Hürden?